Arbeitszeugnis verstehen: Welche Formulierungen wirklich kritisch sind
KI-generiertes Bild mit DALL·E (OpenAI), erstellt über ChatGPT
Warum das Arbeitszeugnis so wichtig ist
Das Arbeitszeugnis spielt auch heute noch eine wichtige Rolle im Berufsleben. Für viele Arbeitnehmer:innen entscheidet es mit darüber, ob eine Bewerbung erfolgreich ist oder nicht. Umso wichtiger ist es, das Zeugnis nach Erhalt sorgfältig zu prüfen. Denn bereits kleine sprachliche Unterschiede können die Bewertung erheblich verändern.
Gesetzlicher Anspruch auf ein Arbeitszeugnis
Der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis ergibt sich insbesondere aus § 109 Gewerbeordnung (GewO). Danach hat jede:r Arbeitnehmer:in bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Ergänzend enthält auch § 630 BGB entsprechende Regelungen für Dienstverhältnisse.
Einfaches und qualifiziertes Arbeitszeugnis
Es wird zwischen dem einfachen und dem qualifizierten Arbeitszeugnis unterschieden. Das einfache Zeugnis enthält nur Angaben zur Art und Dauer der Tätigkeit. Das qualifizierte Zeugnis bewertet zusätzlich Leistung, Arbeitsweise und Sozialverhalten. In der Praxis ist das qualifizierte Arbeitszeugnis meist wichtiger, weil es für spätere Bewerbungen deutlich aussagekräftiger ist.
Wahrheit, Klarheit und Wohlwollen
Arbeitgeber:innen müssen bei der Erstellung eines Arbeitszeugnisses mehrere Grundsätze beachten. Das Zeugnis muss wahr sein und darf keine falschen Tatsachen enthalten. Gleichzeitig muss es wohlwollend formuliert sein, damit das berufliche Fortkommen der Arbeitnehmer:innen nicht unnötig erschwert wird. Außerdem muss das Zeugnis klar verständlich sein. Versteckte Hinweise oder Geheimcodes sind nach § 109 Abs. 2 GewO unzulässig.
Die Bedeutung der Zufriedenheitsskala
Besonders wichtig ist die sogenannte Zufriedenheitsskala. Die Formulierung „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ entspricht regelmäßig einer sehr guten Bewertung. „Stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ wird meist als gut verstanden. Die Formulierung „zu unserer vollen Zufriedenheit“ gilt häufig nur noch als durchschnittlich. Noch schwächere Formulierungen können bei zukünftigen Arbeitgeber:innen schnell einen negativen Eindruck hinterlassen.
Was im Zeugnis stehen sollte
Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis sollte die wesentlichen Tätigkeiten, Verantwortungsbereiche und besonderen Kenntnisse korrekt wiedergeben. Außerdem sollten Arbeitsleistung, Fachwissen, Belastbarkeit, Arbeitsweise und Sozialverhalten bewertet werden. Problematisch ist es, wenn wichtige Aufgaben fehlen, das Zeugnis auffällig kurz ist oder einzelne Bewertungen nicht zusammenpassen.
Was Arbeitnehmer:innen bei einem schlechten Zeugnis tun können
Arbeitnehmer:innen müssen ein fehlerhaftes oder unangemessen negatives Zeugnis nicht akzeptieren. Enthält das Zeugnis sachliche Fehler, missverständliche Formulierungen oder ungerechtfertigt schlechte Bewertungen, kann ein Anspruch auf Berichtigung bestehen. Häufig lässt sich bereits außergerichtlich eine bessere Formulierung erreichen.
Wer muss was beweisen?
Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts gilt eine durchschnittliche Bewertung grundsätzlich als ausreichend. Möchte ein:e Arbeitnehmer:in eine bessere Bewertung durchsetzen, muss häufig dargelegt werden, dass tatsächlich überdurchschnittliche Leistungen erbracht wurden. Umgekehrt müssen Arbeitgeber:innen eine unterdurchschnittliche Bewertung begründen und beweisen können.
Warum ein Zwischenzeugnis helfen kann
Ein Zwischenzeugnis kann später sehr wichtig sein, etwa bei einem Wechsel der Führungskraft, Umstrukturierungen oder längerer Betriebszugehörigkeit. Fällt das spätere Endzeugnis plötzlich deutlich schlechter aus, kann ein gutes Zwischenzeugnis ein starkes Argument für eine Berichtigung sein.
Empfehlung
Arbeitnehmer:innen sollten ihr Arbeitszeugnis niemals nur oberflächlich lesen. Oft entscheiden sprachliche Feinheiten darüber, wie die tatsächliche Bewertung verstanden wird. Wer Zweifel an einzelnen Formulierungen hat oder den Eindruck gewinnt, dass das Zeugnis die eigenen Leistungen nicht korrekt widerspiegelt, sollte frühzeitig rechtlichen Rat einholen.
Rechtliche Fragestellungen sind regelmäßig einzelfallabhängig. Die vorstehenden Ausführungen können daher eine individuelle rechtliche Prüfung nicht ersetzen.
Wenn Sie wissen möchten, welche Handlungsmöglichkeiten in Ihrer konkreten Situation bestehen, stehe ich Ihnen im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung gerne zur Verfügung. Nehmen Sie hierzu unkompliziert Kontakt auf.