Der Fall Take Me Späti: Wem gehören Reichweite, Accounts und Markenrechte eigentlich?

KI-generiertes Bild mit DALL·E (OpenAI), erstellt über ChatGPT

Die öffentlich diskutierte Trennung zwischen Creatorin Sara Arslan und ihrem bisherigen Management sorgt derzeit weit über die Social-Media-Szene hinaus für Aufmerksamkeit. In den sozialen Netzwerken wird über die Zukunft gemeinsamer Projekte, die Kontrolle von Accounts, wirtschaftliche Beteiligungen und die Rechte an aufgebauten Formaten diskutiert.

Welche Ansprüche den Beteiligten im konkreten Fall tatsächlich zustehen, lässt sich von außen nicht beurteilen. Maßgeblich sind die vertraglichen Vereinbarungen und die Umstände des jeweiligen Einzelfalls.

Unabhängig vom konkreten Sachverhalt macht die Diskussion jedoch auf ein Problem aufmerksam, das in der Creator-Branche regelmäßig zu Konflikten führt:

Was passiert eigentlich, wenn sich ein Creator und sein Management trennen? Wem gehören dann die Accounts, die Marke, die Inhalte und die Einnahmen?

Viele Influencer, Podcaster und Content Creator beginnen ihre Karriere gemeinsam mit einem Management oder einer Agentur. Solange die Zusammenarbeit erfolgreich verläuft, werden rechtliche Fragen häufig in den Hintergrund gedrängt. Kommt es jedoch später zur Trennung, geht es nicht selten um erhebliche wirtschaftliche Werte.

Der Fall Take Me Späti bietet daher Anlass, die wichtigsten rechtlichen Grundsätze für Creator und Influencer näher zu betrachten.

Influencer-Management: Was ist das rechtlich überhaupt?

Anders als viele vermuten, existiert für Influencer-Managements kein eigenes Gesetz.

Die Zusammenarbeit zwischen Creator und Management beruht in aller Regel auf einem individuellen Vertrag. Je nach Ausgestaltung können dabei verschiedene rechtliche Bereiche eine Rolle spielen. Welche Rechte und Pflichten bestehen, ergibt sich daher in erster Linie aus dem abgeschlossenen Vertrag.

Gerade deshalb ist die Vertragsgestaltung von entscheidender Bedeutung. Schon an dieser Stelle ist es ratsam, sich anwaltliche Beratung einzuholen.

Wem gehört ein Social-Media-Account?

Eine der häufigsten Streitfragen nach einer Trennung betrifft die Kontrolle über Instagram-, TikTok-, YouTube- oder Twitch-Accounts.

Viele Creator gehen davon aus, dass ihnen der Account automatisch gehört, weil ihr Gesicht und ihre Persönlichkeit im Mittelpunkt stehen. So einfach ist die Rechtslage jedoch nicht immer.

Entscheidend können unter anderem folgende Fragen sein:

  • Wer hat den Account ursprünglich erstellt?

  • Auf wessen Namen wurde er registriert?

  • Wer verfügt über die Zugangsdaten?

  • Wer kontrolliert die hinterlegte E-Mail-Adresse?

  • Welche vertraglichen Regelungen bestehen?

Die bloße technische Kontrolle über einen Account bedeutet nicht automatisch, dass auch die rechtliche Berechtigung zur dauerhaften Nutzung besteht.

Je stärker ein Account mit der Person des Creators verbunden ist, desto eher sprechen allerdings gute Argumente dafür, dass dieser dem Creator zuzuordnen ist.

Die eigene Marke ist häufig wertvoller als einzelne Kooperationen

Viele Creator unterschätzen, dass nicht einzelne Werbedeals den eigentlichen Unternehmenswert darstellen, sondern die eigene Marke.

Zu einer solchen Marke können gehören beispielsweise der Künstlername, der Accountname, Logos, Podcasttitel sowie Veranstaltungsformate oder aber auch Merchandising-Produkte.

Besonders problematisch wird es, wenn diese Rechte ausschließlich durch das Management gehalten oder angemeldet werden.

Spätestens bei einer Trennung stellt sich dann die Frage: Wer darf die Marke künftig nutzen? Ohne klare vertragliche Regelungen kann daraus schnell ein kostspieliger Rechtsstreit entstehen.

Wem gehören die Inhalte?

Auch die Rechte an Videos, Podcasts, Fotos oder sonstigen Inhalten sorgen regelmäßig für Konflikte.

Grundsätzlich gilt: Das Urheberrecht verbleibt zunächst beim jeweiligen Urheber. Urheber ist der- oder diejenige, der/ die den Content erstellt.

Allerdings können Nutzungsrechte vertraglich übertragen werden. Viele Creator übertragen ausschließliche Rechte, ohne jemals darüber in Kenntnis gesetzt worden zu sein. Daher ist auch an dieser Stelle ein prüfender Blick in den zugrundeliegenden Vertrag zu werfen.

Managementverträge enthalten oft weitreichende Klauseln

Viele Creator unterschreiben Managementverträge zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch wenig Erfahrung mit Vertragsverhandlungen haben.

Nicht selten finden sich darin Regelungen zu:

  • langen Vertragslaufzeiten,

  • automatischen Verlängerungen,

  • Exklusivitätsbindungen,

  • Umsatzbeteiligungen,

  • Provisionsansprüchen nach Vertragsende,

  • Wettbewerbsverboten.

Solche Klauseln können erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben.

Je erfolgreicher ein Creator wird, desto größer wird häufig auch die Bedeutung dieser vertraglichen Regelungen.

Diese Grundsätze sollten Creator beachten

Der aktuelle Fall zeigt vor allem, wie wichtig eine frühzeitige rechtliche Absicherung ist.

Creator sollten insbesondere darauf achten:

Accounts selbst kontrollieren

  • Registrierung auf den eigenen Namen

  • Eigene E-Mail-Adresse

  • Eigene Zwei-Faktor-Authentifizierung

  • Ständiger Zugriff auf Login-Daten

Markenrechte absichern

  • Frühzeitige Markenanmeldung prüfen

  • Klare Zuordnung der Markenrechte

  • Regelungen für den Fall einer Trennung treffen

Verträge vor Unterzeichnung prüfen lassen

Besonders wichtig sind Regelungen zu:

  • Laufzeit,

  • Kündigung,

  • Provisionen,

  • Exklusivität,

  • Rechten an Inhalten,

  • Markenrechten.

Exit-Regelungen vereinbaren

Bereits zu Beginn der Zusammenarbeit sollte geregelt werden:

  • Wer behält Accounts?

  • Wer behält Markenrechte?

  • Wer verwertet bestehende Inhalte?

  • Welche Ansprüche bestehen nach Vertragsende?

Genau diese Fragen werden häufig vergessen – bis es zu einer Trennung kommt.

Take Me Späti ist eine wichtige Erinnerung für die gesamte Creator-Branche

Unabhängig davon, wie die rechtliche Bewertung des konkreten Falls ausfällt, zeigt die aktuelle Diskussion um Sara Arslan und ihr Management ein Problem, das viele Influencer und Content Creator betrifft.

Mit wachsender Reichweite entstehen nicht nur größere Einnahmen, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Werte in Form von Marken, Accounts, Formaten und Communities.

Wer diese Werte nicht frühzeitig rechtlich absichert, riskiert im Konfliktfall erhebliche Nachteile.

Rechtliche Fragestellungen sind regelmäßig einzelfallabhängig. Die vorstehenden Ausführungen können daher eine individuelle rechtliche Prüfung nicht ersetzen.

Wenn Sie wissen möchten, welche Handlungsmöglichkeiten in Ihrer konkreten Situation bestehen, stehe ich Ihnen im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung gerne zur Verfügung. Nehmen Sie hierzu unkompliziert Kontakt auf.

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